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Aviator

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Original Titel
The Aviator

Kinostart
20.01.2005

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2004

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
Martin Scorsese

Autor
John Logan

Laufzeit
170 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Leonardo DiCaprio
Cate Blanchett
Alec Baldwin
Kate Beckinsale
Jude Law




Männer und ihre Spielzeuge

INHALT

Hughes alis DiCaprioAls Kind noch von seiner Mutter verhätschelt und im überzogenen Maße vor Infektionen und Verunreinigungen geschützt, steht Howard Hughes (Leonardo DiCaprio) 1927 als gutaussehender Multimillionär mit einer Kamera in der Hand vor seinen geliebten Flugzeugen. Der 22-jährige hat zwar die Ölfirma seines Vaters geerbt, doch ein Leben als Bürohengst wiederstrebt dem rastlosen Überflieger ebenso, wie sich ins gemachte Nest zu setzen. So zog Hughes von Texas nach Kalifornien, um Filme zu drehen, die nicht Selten das Thema Fliegerei zum Gegenstand haben. Einer seiner größten Erfolge wird das Weltkriegsdrama "Hell's Angels" sein.

Neben seiner Passion als Regisseur und Produzent widmet sich Hughes noch einer weiteren Leidenschaft, der er sich mit seinem Streben nach Perfektion völlig hingibt: der Flugzeugbau. Größer, schneller und besser als alles bisher Dagewesene sollen sie sein - seine Lieblinge aus Holz und Metall. Mit der Gründung der Airline TWA gehört Howard Hughes auch zum kleinen Kreis jener, die nicht unmaßgeblich an der Entwicklung der kommerziellen Luftfahrt, sprich dem Linienverkehr, beteiligt sind. Eines ist schon jetzt klar: Howard Hughes träumt nicht von der Zukunft, sondern er macht sie.



KRITIK

Hughes und HepburnVom Millionär zum Milliardär, vom schillernden Rampenlicht zur phobiegeplagten Einsamkeit - eine turbulente Karriere eines Visionärs, dessen Ideen noch heute unseren Alltag begleiten. So erleben wir in "Aviator" die Geschichte eines Mannes, der sein Erbe als Startkapital für die Realisierung seiner Träume nutzte. Geld war nicht wichtig, aber Mittel zum Zweck. Allein die Art, wie er Filme drehte, war seiner Zeit weit voraus. Hughes filmte schon Luftkämpfe, bei denen 26 Kameras gleichzeitig für rasante Aufnahmen sorgten. Der Erfolg sollte ihm Recht geben: zuerst für seine wahnwitzigen Ideen verspottet, später für gelungene Ergebnisse geehrt, wurde Hughes - obwohl stark introvertiert - zu einer zentralen Figur des öffentlichen Lebens gemacht.

Besonders die Frauenwelt lag ihm zu Füßen, was nicht zuletzt an der Unerschrockenheit lag, die Howard Hughes bei seinen Testflügen zu immer neuen Rekorden an den Tag legte. Mehr als nur einen Absturz musste er in Kauf nehmen, doch wo andere schon längst die Flinte ins Korn geworfen hätten, sah Hughes immer neue Möglichkeiten, weiter zu machen. Geht nicht, gab's nicht. Und doch war der selbsternannte Perfektionist, der von sich und seinen Ingenieuren das Letzte abverlangte, in persönlichen Belangen weit von seiner eigenen Maxime entfernt. Resultierend aus den Erziehungsmethoden einer übervorsichtigen Mutter, schränkten Phobien vor Bakterien und Infektionen später Hughes Leben zunehmend ein und ließen ihn letztendlich zu einem abgeschotteten und einsamen Menschen werden, der ohnehin nur in einer eigenen Welt zu leben schien.

Da "Aviator" vor allem die erste Lebenshälfte von Hughes beleuchtet, scheint die Besetzung der Hauptrolle mit Leonardo DiCaprio zu passen, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Versprüht der Kalifornier doch ebenso viel Esprit und Charme, wie es einst das große "Vorbild" tat. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass DeCaprio selbst die Idee hatte, dieses bewegte Leben von Howard Hughes zu verfilmen. Zusammen mit Regisseur Martin Scorsese und einem weiteren Großteil des Produktionsteams von "Gangs of New York" wurde ein Jahr lang genauestens das Leben von Hughes recherchiert, bevor die eigentlichen Dreharbeiten begannen. Herausgekommen ist dabei ein fast dreistündiges Mammutwerk, was entgegen aller Erwartungen nicht zu einem typischen Hollywoodspektakel im herkömmlichen Sinne avancierte.

Aufgrund der guten Vorarbeit präsentiert sich "Aviator" als tiefgreifendes Drama, was stilistisch in der zweiten Hälfte des Films eine erstaunliche Wendung nimmt. Nicht ohne Grund erinnern vor allem dort die Bilder an Werke von Oliver Stone, hat Kameramann Robert Richardson doch schon oft mit dem Meisterregisseur zusammen gearbeitet. Passend zu den Bildern macht auch die Hauptfigur und somit Leonardo DiCaprio eine Metamorphose durch, deren Darstellung in der Tat Oscar-verdächtig ist. In seiner bisher vermutlich überzeugensten Rolle mimt der ehemalige Titanic-Darsteller den körperlichen und seelischen Verfall des einst so lebendigen und voller Tatendrang strotzenden Genies auf eine beeindruckende und gleichzeitig beängstigende Weise. Der erste Lohn für diese Darbietung war ein Golden Globe in der Kategorie "bester Schauspieler in einem Drama".

Doch bei einem einzigen Golden Globe für "Aviator" sollte es nicht bleiben. Neben der besten Filmmusik, die im übrigen aus der Feder von "Der Herr der Ringe"-Komponist Howard Shore stammt, wurde auch der Film an sich als bestes Drama ausgezeichnet. Abgesehen vom guten Drehbuch und einer entsprechend dynamischen Inszenierung trug mit Sicherheit auch die restliche Besetzung zum Erfolg des Streifens bei. Allen voran Cate Blanchett, die mit der Figur des exzentrischen wie gleichermaßen attraktiven Hollywoodstars Katharine Hepburn einen schwierigen Part zur Aufgabe hatte. Hughes und Hepburn führten eine relativ kurze, aber dennoch innige Beziehung, obwohl oder gerade weil sie so von Grund auf verschieden waren. Hepburn wird als die wahrscheinlich größte Liebe in Hughes Leben eingeschätzt. Trotz der herausragenden Leistung seitens Cate Blanchett, eine glaubhafte Interpretation der ehemaligen Hollywood-Diva zu vermitteln, war der Australierin trotz Nominierung kein Golden Globe bei der diesjährigen Verleihung vergönnt.

PanAm Chef TrippeWenn es um Nebenrollen geht, kommt man an dem Namen Alec Baldwin mittlerweile nicht mehr vorbei. Mit "Pearl Harbor", "The Cooler" oder "...und dann kam Polly" seien nur einige Filme der vergangenen Jahre erwähnt, in denen der New Yorker die zweite, aber nicht minder wichtige Geige spielte. So kommt Baldwin in "Aviator" als Juan Trippe, Chef von Pan American Airlines, in den Genuss, den charismatischen Rivalen von Howard Hughes zu spielen. Trippe war zwar weniger bekannt als Hughes, aber dennoch ein ebenso kühner und voraussehender Kopf, der von Anfang an die Bedeutung der kommerziellen Luftfahrt einzuschätzen wusste. Ein sicherer Instinkt kombiniert mit enormen Überzeugungskräften - ein Profil, das wie für einen Alec Baldwin gemacht zu sein scheint. Beinahe als eine Art Easter Egg ist der Auftritt eines Mannes aufzufassen, der eifrig zur Musik der Big Band singend sein Talent zum Besten gibt. Dieses Gesicht sollte vor allem Star Trek-Fans bekannt vorkommen: Brent Spiner; oder besser bekannt als Commander Data vom neuen Raumschiff Enterprise.

Um einen hohen Grad an Authentizität zu wahren, wurden schon längst begrabene Filmtechniken, wie "Zweiband-Technicolor" und "Dreiband-Technicolor", wieder zum Leben erweckt. Das Ergebnis ist eine surreal wirkende Farbwiedergabe, wie man sie von Filmen der späten zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts her kennt. Diese Technik war besonders für die Kostümbildner eine Herausforderung, da sämtliche Farbtöne auf dem späteren Filmmaterial verfremdet dargestellt werden. Bemerkenswert ist, dass sich die Farbgebung des Streifens immer der entsprechenden Zeit und folglich dem zeitgenössischen Stand der Technik anpasst.

Actionsequenzen und Flugszenen entstanden teils durch Miniaturmodelle, teils mit computergenerierten Bildern. Gibt es in "Aviator" eine Schwäche, dann sind es die digitalen Effekte. Vor allem bei dynamischen Szenen im Innern der Flugzeuge drängt sich die Frage auf, warum man bei derartig schlechten Green- respektive Bluebox-Effekten nicht besser gleich einen Film hinter den Schauspielern hat ablaufen lassen. Geht der große Luftkampf aus "Hell's Angels" noch als glaubwürdig durch, so wirkt Hughes hölzernes Werk, die HK-1 "Spruce Goose" - größtes Flugboot der Welt - schlichtweg zu künstlich. Als durchaus gelungen darf wiederum die explizite Darstellung einer der schweren Abstürze, die Hughes über sich ergehen ließ, bezeichnet werden. Vorrangig aus Modellen bestehend, zieht das Fahrwerk des Flugzeugs auf beinahe martialische Weise ganze Schneisen durch die Häuserviertel von Beverly Hills. Die Landung nimmt derart unsanft ihr Ende, dass einem selbst im bequemen Kinosessel unwillkürlich ein "Autsch" entfleucht.



FAZIT

Der VisonärSelten sind im Kino 170 Minuten so schnell vergangen, wie es in "Aviator" der Fall ist. Der Lebensweg eines Mannes, der kein Held sein wollte aber dennoch schon damals eine Legende war und sich immerzu auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn befand, wird hier eindrucksvoll erzählt, ohne Howard Hughes die Ehre zu nehmen. Anders als in bisherigen Verfilmungen, werden vor allem Hughes Errungenschaften und Visionen zur Geltung gebracht, jedoch immer vor dem tragischen Hintergrund, dass die Zermürbung seines Lebens nicht von der Außenwelt, sondern viel mehr von ihm selbst herbeigeführt wurde. Dennoch ist der Streifen eine Huldigung an all jene, ohne in übertriebene pathetische Posen zu verfallen, die an ihre Träume Glauben und diese trotz massiver Rückschläge irgendwann verwirklichen - oder es wenigstens versuchen.

Von Lars Lehmann



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