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The Day After Tomorrow

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Kinostart
27.05.2004

Genre
Action

Erscheinungsjahr
2004

Land
USA

Verleih
FOX

Regie
Roland Emmerich

Autor
Roland Emmerich / Jeffrey Nachmanoff

Laufzeit
123 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Dennis Quaid
Jake Gyllenhaal
Emmy Rossum
Dash Mihok




Zieh dich warm an!

Jack alias Dennis QuaidNachdem Wolfgang Pertersen vor kurzer Zeit sein "Troja" in die Kinos brachte, folgt nun ein weiterer deutscher Starregisseur diesem Beispiel mit dem Katastrophenepos "The Day After Tomorrow". Kein geringerer als Roland Emmerich persönlich nimmt sich einem Thema an, was schneller als gedacht von der Fiktion zur Realität werden könnte. Der Macher von "Independence Day" oder "Godzilla" lässt die nördliche Erdhalbkugel, bedingt durch die Erderwärmung, kurzerhand einfrieren.

Was hier so paradox klingt, ist in der Tat nicht weit hergeholt, denn sämtliche klimatechnischen Details des Films basieren auf realen wissenschaftlichen Daten der Klimaforscher. Selbstverständlich wurde der klimatische Entwicklungsprozess storybedingt in einem überspannten Zeitraffer verpackt und einige Dinge ticken nach den Uhren à la Hollywood, doch prinzipiell kann man diesen Streifen als einen möglichen Dokumentarfilm der Zukunft betrachten, vorausgesetzt, die Menschheit ist dann überhaupt noch in der Lage, Filme zu sehen.

Tornados über L.A. So lässt Emmerich den brillanten Dennis Quaid in die Rolle des Klimaforschers Jack Hall schlüpfen, der plötzliche Klimaveränderungen auf der Nordhalbkugel des blauen Planteten untersuchen soll. Der Klimatologe beschäftigte sich während seiner gesamten Laufbahn mit den Eiszeiten der Vergangenheit und anscheinend ist er einer der wenigen, der eine glaubwürdige und wissenschaftlich fundierte Ursache für heftige Wirbelstürme und rapiden Temperaturabfall zu bieten hat: Die globale Erwärmung, hervorgerufen durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Der Treibhauseffekt hat zur Folge, dass bestimmte Meeresströme und Luftzirkulationen außer Kraft gesetzt werden und die erforderlichen Prozesse für das milde Klima der nördlichen Erdhälfte einfach nicht - oder sogar mit gegenteiliger Wirkung stattfinden.

Jack Hall und seine Kollegen haben schon des öfteren an die amerikanische Regierung appelliert, die Emissionen zu reduzieren und so den Erwärmungsprozess zu lindern, doch die wirtschaftlichen Interessen ließen sich laut Regierung nicht mit denen der Umweltpolitik vereinbaren. Da auf die wissenschaftlichen Meinungen kein Wert gelegt wurde, werden die USA und Europa von gigantischen Tornados und Flutwellen heimgesucht und letztendlich unter meterhohem Eis begraben. Jack Hall, der sich noch im verwüsteten Los Angeles befindet, macht sich quer durchs Land auf nach New York City, um seinen dort vom Eis eingeschlossen Sohn zur Hilfe zu eilen. Diese Familienzusammenkunft, wenn auch kurzzeitig etwas weit hergeholt, macht Sinn, um uns die gesamten Ausmaße der unermesslichen Verwüstung auf ganzer Strecke klar zu machen.

WassereinbruchDas ernüchternde Kinoerlebnis scheint Wirkung zu zeigen: Da hier Wahrheit und Fiktion so eng miteinander verstrickt sind, setzt sich vor allem der Demokrat und Ex-Präsidentschaftskanditat Al Gore für eine Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls ein, was dessen Mitglieder dazu zwingt, den Ausstoß der Treibhausgase auf ein bestimmtes Niveau herabzusetzen, um so den Erwärmungsprozess zu vermindern. So wird der Streifen, bewusst oder unbewusst, auch zu einem politischen Instrument und setzt der Bush-Regierung einen heftigen Warnschuss vor den Bug, denn diese wehrt sich bis heute, ganz wie im Film, aus wirtschaftlichen Gründen gegen die Unterzeichnung des Protokolls. Es muss nicht erwähnt werden, dass vor allem die Vereinigten Staaten ein Gros der Emissionen verursachen, zumindest was die großen Industrienationen und die s.g. Erste Welt betrifft.

N.Y.C. versunken im EisWird der grässliche Gedanke im Hinterkopf einmal ausgeklammert, das Leinwandgeschehen könnte auch irgendwann real werden, wird einem ein perfekt in Szene gesetzter und mit phänomenalen Special-Effects ausgestatteter Film mit einem großen Unterhaltungswert geboten. Bisherige Katastrophenfilme versinken neben "The Day After Tomorrow" im Nirgendwo, die ohnehin gelungenen Wirbelsturmszenen in Los Angeles sollen nur einen kleinen Vorgeschmack auf das bieten, was später mit New York geschieht, von riesigen Flutwellen und Überschwemmungen in Manhattan ganz zu schweigen. Leicht ist zu erkennen, wo die 125 Millionen Dollar Produktionskosten verbraucht wurden; und das ist auch gut so. Ob Actionfilm oder moralischer Wachrüttler bleibt jedem selbst überlassen, aber um ein sehenswertes Spektakel handelt es sich ohne Frage. Bleibt abzuwarten, ob aus den Fehlern gelernt wird, oder wir geradewegs, wenn auch langfristig, auf eine so blumig geschilderte Katastrophe zuschlittern werden...

Von Lars Lehmann



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