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Die Dolmetscherin

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Original Titel
The Interpreter

Kinostart
21.04.2005

Genre
Politthriller

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Sydney Pollack

Autor
Charles Randolph/ Scott Frank/ Steven Zaillian

Laufzeit
128 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Nicole Kidman
Sean Penn
Catherine Keener
Jesper Christensen
Earl Cameron




Weltzentrale Backstage

INHALT

Die Dolmetscherin Silvia Broome (Nicole Kidman) abeitet im Machtzentrum der Welt, dort, wo Entscheidungen über Krieg und Frieden gefällt werden. Die Rede ist vom Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Dort geht Silvia - sie stammt aus einem südafrikanischen Land namens Matobo - Tag für Tag in einer schalldichten Kabine als Dolmetscherin ihrer Arbeit nach. Sie erledigt ihren Job mit großer Begeisterung, wurden doch ihrer Meinung nach schon zu viele Kriege nur durch Missverständnisse hervorgerufen.

Nur durch Zufall bekommt Silvia eines Abends ein dubioses Gespräch zu Ohren, bei dem es sich offensichtlich um ein Attentat eines anstehenden Staatsbesuches - der vermeintliche Diktator Edmund Zuwanie (Earl Cameronhandelt) wird zu Gast sein - handelt. Noch hat die Südafrikanerin keinen Kontakt zur Polizei aufgenommen, aber nachdem sie selbst nur knapp einem Mordanschlag entkommt, findet die Dolmetscherin Schutz bei Agent Keller (Sean Penn). Den mutmaßlichen Attentätern scheint nicht verborgen geblieben zu sein, dass Silvia von deren Plänen Wind bekommen hat. Doch bei näherer Untersuchung des Falls wird Keller zunehmend misstrauisch, gerät doch Silvia mit ihrer zwielichtigen Vergangenheit selbst unter Verdacht, etwas mit dem Mordkomplott zu tun zu haben. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn der Anschlag auf das afrikanische Staatsoberhaupt muss mit allen Mittel verhindert werden...



KRITIK

Die Dolmetscherin Noch nie zuvor ist es einer Spielfilmproduktion gestattet worden, die heiligen Räume des UN-Hauptsitzes zu betreten, geschweige denn, dort zu filmen. Am Ufer des East Rivers vom Big Apple gelegen, haben sich die Vereinten Nationen - es sind über 190 Länder an der Zahl - der Hauptaufgabe verschrieben, den Weltfrieden zu sichern. Eigentlich für die Völker der Welt geschaffen, war die UN-Zentrale bisher ein sagenumwobenes Objekt, zu dem der Normalbürger kaum Zugang hatte. So ist es nicht zuletzt den bemerkenswerten diplomatischen Kontakten von Regisseur Sydney Pollack zu verdanken, dass auch wir - das "niedere" Volk - mit dem Politthriller "Die Dolmetscherin" einen Blick auf die Schaltzentrale und deren Funktionsweise erhaschen dürfen. UN-Generalsekretär Kofi Annan persönlich hat sich dafür eingesetzt, dass letztendlich eine Drehgenehmigung erteilt wurde, damit die UN mehr Transparents erhält, als es bisher geschehen ist. Im Rahmen des Möglichen ist der Versuch gelungen, in Bezug auf Funktionsweise und Strukturen der UN, möglichst authentisch und glaubhaft zu wirken. Befürchtungen, der Streifen könnte zu einem Werbefilm für die Vereinten Nationen mutieren, dürfen getrost zerstreut werden, denn letztendlich handelt es sich noch immer um einen fiktiven Unterhaltungsfilm.

Der Begriff "Fiktiv" soll jedoch nicht gleichbedeutend mit "Unrealistisch" sein, hat man sich doch einem Thema angenommen, wie es zum aktuellen Weltgeschehen nicht passender hätte sein können; leben wir doch in Zeiten von Terroranschlägen und instabilen Staatssystemen - man denke hier vor allem an den afrikanischen Kontinent. Diktaturen und Länder mit Bürgerkriegen gibt es reichlich, doch auf eine dokumentarische Einbeziehung eines realen Landes haben die Filmemacher beflissentlich verzichtet. Stattdessen wurde das südafrikanische Unruheland "Matobo" mitsamt eigener Landessprache "Ku" erfunden.

Aus diesem Grund musste Nicole Kidman als Dolmetscherin nicht nur anscheinend fließend spanisch oder französisch, sondern eben auch Ku sprechen können. Die Rolle als Übersetzerin nimmt man der gebürtigen Hawaiianerin ohne Zweifel ab. Konsequent und professionell wechselt Kidman von jetzt auf gleich in eine andere Sprache, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Ganz und gar nicht konsequent ist dagegen die schwache Beleuchtung der persönlichen Probleme der Protagonisten. Es scheint, als sei man nicht sicher gewesen, was und wie viel der Zuschauer erfahren darf, damit die Spannung nicht genommen wird. Mit einigen fadenscheinigen Hinweisen soll deutlich gemacht werden, warum sich Silvia Broome alias Nicole Kidman dazu entschlossen hat, von ihrer Vergangenheit Abschied zu nehmen um Dolmetscherin zu werden.

Nicht viel anders verhält es sich bei Agent Tobin Keller, den Sean Penn zum Besten gibt. Eine private Tragöde hat den Agent ereilt, aber auch hier werden Details nur sehr sparsam preisgegeben. Diese mögen auch nicht weiter von Wichtigkeit sein, würden sie nicht immer wieder als zentrales Thema zwischen Agent Keller und Dolmetscherin Broome auftreten. Niemand rückt so richtig mit der Sprache raus und es wird um den heißen Brei herumgeredet. Dabei hilft es auch nicht, dass Sean Penn, an dessen schauspielerischen Leistungen ansonsten mit Sicherheit nichts zu bemängeln ist, mit genau zwei Gesichtsausdrücken daherkommt.

Trotz alledem gelang es den Drehbuchautoren, die auch schon an Filmen wie "Minority Report", "Schindlers Liste" oder "Das Leben des David Gale" gearbeitet haben, eine ansprechende Story zu schreiben. So entstand bei diesem Politthriller eine klassische Geschichte zweier Menschen, die sich zwangsläufig vertrauen müssen, um gemeinsam den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen. Darüber hinaus präsentiert sich dieser Streifen aber auch mit recht neuen, unkonventionellen Stilmerkmalen, um so die Gunst des Zuschauers zu erlangen. Der fade Beigeschmack des Schwarz-Weiß-Denkens, also der simplen Einordnung in Gut und Böse, lässt sich nicht verleugnen. Wer zu welcher Seite gehört, darf der Zuschauer selbst entscheiden.



FAZIT

Die Dolmetscherin "Die Dolmetscherin" ist ein durchaus gelungener Thriller, dessen Schwächen in seiner eigenen Inkonsequenz liegen; die Entscheidung über ganz oder gar nicht wäre von Vorteil gewesen. Übertriebene Geheimniskrämerei zwecks künstlichem Spannungsaufbau hat dieser Film nicht nötig. Wer ein wenig politisch interessiert ist und vom aktuellen Weltgeschehen nur annähernd eine Anhnung hat, dürfte ohnehin an diesem Stoff Gefallen finden. Aber trotz aller Bemühungen der Filmemacher, sich möglichst dicht an die Realität zu halten, darf nicht vergessen werden, dass es sich lediglich "nur" um einen Unterhaltungsfilm handelt.

Neben der erstmaligen "Besichtigungsmöglichkeit" des UN-Hauptsitzes ist vor allem die markante Starpaarung Kidman/ Penn klares Highlight des Streifens. Mit absolut unterschiedlichen Weltanschauungen prallen die Ansichten der Chraraktere aufeinander und gleichzeitig scheinen sich die beiden perfekt zu ergänzen. Dabei kommt kein unnötiger romantischer Kitsch auf; ein positiver Effekt der mageren Durchleuchtung der Charaktertiefen.

Eine Empfehlung ist "Die Dolmetscherin" allemal Mal wert, wird hier doch eine Geschichte auf eine grundsätzlich spannende und ansprechende Weise erzählt. Nicht weit ab von der Realität bietet sie dennoch einen guten Unterhaltungswert und hebt sich somit ganz klar vom bisherigen Filmgeschehen ab.

Von Lars Lehmann



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