Der Manchurian Kandidat
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Original Titel The Manchurian Candidate Kinostart 11.11.2004 Genre Thriller Erscheinungsjahr 2004 Land USA Verleih UIP |
Regie Jonathan Demme Autor Dean Georgaris / Daniel Pyne Laufzeit 130 Minuten FSK ab 12 Jahren Hauptdarsteller Denzel Washington Meryl Streep Liev Schreiber Jon Voight Bruno Ganz |
Demokratie in Gefahr
INHALT
Major Bennett Marco (Denzel Washington) hält Tag für Tag Vorträge in Schulen über seine Zeit beim U.S. Militär. Er spricht über einen ereignisreichen Einsatz im ersten Irakkrieg, bei dem seine Einheit in einen Hinterhalt geriet. Aber Dank Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber) gelang unter dessen heldenhaftem Einsatz die Rettung der Gruppe mit geringen Verlusten. Heute, viele Jahre später, steht Shaw als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten zur Wahl. Nicht nur seine ehrgeizige und machtbesessene Mutter, Senatorin Eleanor Shaw (Meryl Streep), versucht ihren Sohn in die richtigen Bahnen zu lenken, auch einflussreiche Gönner aus Wirtschaft und Industrie unterstützen die Karriere von Raymond Shaw. Bennett Marco verfolgt am Fernsehgerät mehr oder minder interessiert den politischen Werdegang seines ehemals Untergebenden. Major Marco, der wie viele seiner damaligen Kameraden unter Schlafstörungen und Alpträumen leidet, beginnt an der Authentizität seiner eigenen Erinnerungen zu zweifeln. Die Träume bringen ihn dazu, Nachforschungen anzustellen, ob Raymond wirklich noch der Mensch ist, der er zu sein scheint. Ist dem nicht so, wäre nicht nur das weiße Haus in Gefahr, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika und mit ihnen die ganze Welt. So beginnt für Bennett Marco nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch gegen sämtliche Sicherheitsbehörden des Landes.
KRITIK
Wer glaubt, "Der Manchurian Kandidat" entstand als eine Persiflage an das aktuelle Wahlgeschehen in den USA, der irrt. Denn bereits 1962 wurde der von 1959 stammende Roman unter dem Titel "Botschafter der Angst" mit Frank Sinatra in der Hauptrolle verfilmt. Doch niemand kann bestreiten, dass es mehr als eindeutige Parallelen zu unserer Gegenwart gibt. Schauplätze und Zeiten wurde entsprechend den aktuellen Gegebenheiten angepasst, die Grundaussage bleibt jedoch unangetastet. So ist auch in "Der Manchurian Kandidat" durch Intrigen und Manipulationen die Demokratie in Gefahr, selbstverständlich ohne dass es jemand in der Öffentlichkeit bemerkt. Durch Wahlslogans wie z.B. "Secure Tomorrow Today", die in der Tat der Bush-Riege entsprungen sein könnten, wird das Volk verblendet.
Allerdings haben es selbst die Filmemacher nicht für Möglich gehalten, dass ihre Neuverfilmung, die bereits vor einigen Jahren begonnen wurde, derart real werden könnte.
So ist die Darstellung milliardenschwerer Konzerne aus Rüstungsindustrie und Wirtschaft, die ihrem Wunschkandidaten ihre Unterstützung bieten, damit dieser sich dann später revanchieren kann, kein Zufall. Irgendwoher müssen die Millionen für den teuren Wahlkampf ja kommen; ein nettes Danke in Verbindung mit einem Krieg wäre da schon angebracht. So geht es in dem Streifen mit Denzel Washington in der Hauptrolle um die Machenschaften hinter den uneinsehbaren Kulissen der Weltregierung. Auch wenn die Art der Manipulationen an den Menschenim Film etwas überzogen wirken, entspringen sie doch der Geschichte, die das Leben schreibt. Wer erinnert sich nicht an die Mutmaßungen, dass W. Bush bei seinen TV-Duellen per Funk mit einem "Vorredner" verbunden war. Manipuliert wird jedoch auch die Öffentlichkeit, die Wählerschaft. Allgemein wird diese Methode auch als Wahlwerbung bezeichnet, aber dass die Unterschiede zum Alten Europa immens sind, ist keiner Erwähnung wert. Durch bunte und pathetische Bilder wird auch in "Der Manchurian Kandidat" eindrucksvoll vermittelt, wie die Gunst der Wählerschaft gewonnen werden soll. Gemeinsamkeiten mit realen amerikanischen TV-Bildern sind kein Zufall.
Bemerkenswerter Weise hat die sonst so liberal eingestellte Meryl Streep nach eigener Aussage das Blut der Macht geleckt. Dementsprechend überzeugend mimt sie die machtgierige Mutter, die ihren Sohn mit wirklich allen Mitteln zum Vizepräsidenten "befördern" möchte. In ihrer ungewohnt bösen Rolle beweißt die zweifache Oscar-Preisträgerin aufs neue ihre brillanten Qualitäten als Schauspielerin. Denzel Washington, den wir in diesem Jahr nicht zum ersten Mal auf der Leinwand bewundern dürfen, besticht einmal mehr mit einer perfekt auf ihn zugeschnittenen Charakterrolle. Der ebenfalls mit zwei Oscars ausgezeichnete Darsteller lässt als Major Marco nur langsam den Blick in sein Innerstes zu; Rat und Hilfe erhält er bei seinem deutschen Freund Richard Delp. Dieser wird von keinem Geringeren gespielt als Bruno Ganz, der erst kürzlich für seine Hitler-Rolle in "Der Untergang" einen Bambi erhielt. Wie talentiert und gefragt der Schweizer auch außerhalb Europas ist, unterstreicht die Berufung nach Hollywood.
Wie es sich für einen Politthriller gehört, bleiben neben der politischen "Bildung" Spaß und Spannung nicht auf der Strecke. Eine fast permanente Untermalung mit Tieftönen und anderen Geräuschen, passend zur Umgebung, wie z.B. TV- und Treppenhauslärm, ergeben zusammen mit dem stimmigen Soundtrack eine beklemmende Atmosphäre. Flashback-Szenen und Traumsequenzen steigern diesen Eindruck noch einmal und lassen das Werk in einer mysteriösen Spannung versinken.
FAZIT
Abgesehen von der Starbesetzung liegt dem Streifen "Der Manchurian Kandidat" eine tiefgründige Story zugrunde. Die Tatsache, dass es sich um ein Remake handelt, tut der Qualität keinen Abbruch. Das Gegenteil ist der Fall, denn dank des "Faceliftings" passt die Erzählung auf das aktuelle Zeitgeschehen und offenbart mehr, als so mancher wissen möchte. Das Resümee dieses Films könnte sein, dass sich Geschichte immer wiederholt und nichts dazugelernt wird. Menschen lassen sich immer wieder aufs Neue hinter das Licht führen, zur großen Freude der Machthaber. Wem also Mutter Bush schon immer etwas komisch vorkam, sollte sich "Der Manchurian Kandidat" auf keinen Fall entgehen lassen.
Von Lars Lehmann
Major Bennett Marco (Denzel Washington) hält Tag für Tag Vorträge in Schulen über seine Zeit beim U.S. Militär. Er spricht über einen ereignisreichen Einsatz im ersten Irakkrieg, bei dem seine Einheit in einen Hinterhalt geriet. Aber Dank Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber) gelang unter dessen heldenhaftem Einsatz die Rettung der Gruppe mit geringen Verlusten. Heute, viele Jahre später, steht Shaw als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten zur Wahl. Nicht nur seine ehrgeizige und machtbesessene Mutter, Senatorin Eleanor Shaw (Meryl Streep), versucht ihren Sohn in die richtigen Bahnen zu lenken, auch einflussreiche Gönner aus Wirtschaft und Industrie unterstützen die Karriere von Raymond Shaw. Bennett Marco verfolgt am Fernsehgerät mehr oder minder interessiert den politischen Werdegang seines ehemals Untergebenden. Major Marco, der wie viele seiner damaligen Kameraden unter Schlafstörungen und Alpträumen leidet, beginnt an der Authentizität seiner eigenen Erinnerungen zu zweifeln. Die Träume bringen ihn dazu, Nachforschungen anzustellen, ob Raymond wirklich noch der Mensch ist, der er zu sein scheint. Ist dem nicht so, wäre nicht nur das weiße Haus in Gefahr, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika und mit ihnen die ganze Welt. So beginnt für Bennett Marco nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch gegen sämtliche Sicherheitsbehörden des Landes.
KRITIK
Wer glaubt, "Der Manchurian Kandidat" entstand als eine Persiflage an das aktuelle Wahlgeschehen in den USA, der irrt. Denn bereits 1962 wurde der von 1959 stammende Roman unter dem Titel "Botschafter der Angst" mit Frank Sinatra in der Hauptrolle verfilmt. Doch niemand kann bestreiten, dass es mehr als eindeutige Parallelen zu unserer Gegenwart gibt. Schauplätze und Zeiten wurde entsprechend den aktuellen Gegebenheiten angepasst, die Grundaussage bleibt jedoch unangetastet. So ist auch in "Der Manchurian Kandidat" durch Intrigen und Manipulationen die Demokratie in Gefahr, selbstverständlich ohne dass es jemand in der Öffentlichkeit bemerkt. Durch Wahlslogans wie z.B. "Secure Tomorrow Today", die in der Tat der Bush-Riege entsprungen sein könnten, wird das Volk verblendet.
Allerdings haben es selbst die Filmemacher nicht für Möglich gehalten, dass ihre Neuverfilmung, die bereits vor einigen Jahren begonnen wurde, derart real werden könnte.
So ist die Darstellung milliardenschwerer Konzerne aus Rüstungsindustrie und Wirtschaft, die ihrem Wunschkandidaten ihre Unterstützung bieten, damit dieser sich dann später revanchieren kann, kein Zufall. Irgendwoher müssen die Millionen für den teuren Wahlkampf ja kommen; ein nettes Danke in Verbindung mit einem Krieg wäre da schon angebracht. So geht es in dem Streifen mit Denzel Washington in der Hauptrolle um die Machenschaften hinter den uneinsehbaren Kulissen der Weltregierung. Auch wenn die Art der Manipulationen an den Menschenim Film etwas überzogen wirken, entspringen sie doch der Geschichte, die das Leben schreibt. Wer erinnert sich nicht an die Mutmaßungen, dass W. Bush bei seinen TV-Duellen per Funk mit einem "Vorredner" verbunden war. Manipuliert wird jedoch auch die Öffentlichkeit, die Wählerschaft. Allgemein wird diese Methode auch als Wahlwerbung bezeichnet, aber dass die Unterschiede zum Alten Europa immens sind, ist keiner Erwähnung wert. Durch bunte und pathetische Bilder wird auch in "Der Manchurian Kandidat" eindrucksvoll vermittelt, wie die Gunst der Wählerschaft gewonnen werden soll. Gemeinsamkeiten mit realen amerikanischen TV-Bildern sind kein Zufall.
Bemerkenswerter Weise hat die sonst so liberal eingestellte Meryl Streep nach eigener Aussage das Blut der Macht geleckt. Dementsprechend überzeugend mimt sie die machtgierige Mutter, die ihren Sohn mit wirklich allen Mitteln zum Vizepräsidenten "befördern" möchte. In ihrer ungewohnt bösen Rolle beweißt die zweifache Oscar-Preisträgerin aufs neue ihre brillanten Qualitäten als Schauspielerin. Denzel Washington, den wir in diesem Jahr nicht zum ersten Mal auf der Leinwand bewundern dürfen, besticht einmal mehr mit einer perfekt auf ihn zugeschnittenen Charakterrolle. Der ebenfalls mit zwei Oscars ausgezeichnete Darsteller lässt als Major Marco nur langsam den Blick in sein Innerstes zu; Rat und Hilfe erhält er bei seinem deutschen Freund Richard Delp. Dieser wird von keinem Geringeren gespielt als Bruno Ganz, der erst kürzlich für seine Hitler-Rolle in "Der Untergang" einen Bambi erhielt. Wie talentiert und gefragt der Schweizer auch außerhalb Europas ist, unterstreicht die Berufung nach Hollywood.
Wie es sich für einen Politthriller gehört, bleiben neben der politischen "Bildung" Spaß und Spannung nicht auf der Strecke. Eine fast permanente Untermalung mit Tieftönen und anderen Geräuschen, passend zur Umgebung, wie z.B. TV- und Treppenhauslärm, ergeben zusammen mit dem stimmigen Soundtrack eine beklemmende Atmosphäre. Flashback-Szenen und Traumsequenzen steigern diesen Eindruck noch einmal und lassen das Werk in einer mysteriösen Spannung versinken.
FAZIT
Abgesehen von der Starbesetzung liegt dem Streifen "Der Manchurian Kandidat" eine tiefgründige Story zugrunde. Die Tatsache, dass es sich um ein Remake handelt, tut der Qualität keinen Abbruch. Das Gegenteil ist der Fall, denn dank des "Faceliftings" passt die Erzählung auf das aktuelle Zeitgeschehen und offenbart mehr, als so mancher wissen möchte. Das Resümee dieses Films könnte sein, dass sich Geschichte immer wiederholt und nichts dazugelernt wird. Menschen lassen sich immer wieder aufs Neue hinter das Licht führen, zur großen Freude der Machthaber. Wem also Mutter Bush schon immer etwas komisch vorkam, sollte sich "Der Manchurian Kandidat" auf keinen Fall entgehen lassen.
Von Lars Lehmann
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