Shrek der Dritte
|
» Links zum Artikel |
![]() |
Original Titel Shrek the Third Kinostart 21.06.2007 Genre Animation/ Komödie Erscheinungsjahr 2007 Land USA Verleih Universal |
Regie Chris Miller Autor Jeffrey Price/ Peter S. Seaman/ ... Laufzeit 93 Minuten Hauptdarsteller SYNCHRONSPRECHER Sascha Hehn Dennis Schmidt-Foß Esther Schweins Benno Fürmann |
Schlimmer als Kasperle-Theater
INHALT
In Shreks Leben ist Ruhe eingekehrt. Zusammen mit Ehefrau Prinzessin Fiona führt der Oger an der Seite von Königin Lilian und König Harold in Weit Weit Weg ein komfortables Leben. Einzig die piefigen Hofallüren und Pflichtveranstaltungen, die Shrek wahrnehmen muss, gehen ihm gehörig auf die Nerven. Immer öfter wird dem ursprünglichen Sumpfbewohner strenge Etikette abverlangt, weil der Regent des Märchenlandes schwer erkrankt ist und Shrek auf die Thronfolge eingestimmt werden soll. Doch für Drückeberger Shrek kommt die Übernahme des Zepters gar nicht in Frage. Die königliche Plackerei soll Artie, der nach Shrek Anrecht auf die Krone hat, antreten. Der junge Thronfolger lebt in einem entlegenen Internat, er ist noch Schüler. Shrek macht sich gemeinsam mit Esel und dem gestiefelten Kater auf, den pubertierenden Teenager abzuholen und mit seiner zukünftigen Aufgabe zu betrauen. Währenddessen geht es in Weit Weit Weg drunter und drüber.
KRITIK
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum klassische Lovestorys aus der Traumfabrik spätestens mit der Hochzeit des Liebespaares enden? In dem Moment, wo der überirdisch romantische Hokuspokus seinen virtuosen Höhepunkt erreicht, setzt auch schon der Abspann ein. Ende gut, alles gut. Filme über glückliche Paare, die sich bereits gefunden und den ersten Kuss längst hinter sich gebracht haben, gibt es selten. Das latente Urteil aus Hollywood scheint zu lauten: Partnerschaft ist langweilig - und eine erfüllte Ehe erst recht. Liebe im Alltag ist keinen Film wert. Doch ist das gemeinsame Leben nach der Traumhochzeit tatsächlich zu trivial für die Leinwand? "Shrek der Dritte", der die Protagonisten Fiona und Shrek nach der Eheschließung und der Überwindung der ersten Beziehungskrise in den ersten zwei Teilen nun im glückseligen Hafen der Ehe wiegt, ringt jedenfalls verzweifelt um Spannung. Will uns die Filmindustrie etwa beweisen, dass Ehe in der Tat der ultimative Spannungskiller ist?
Ganz still bleibt es im Hause der Familie Oger natürlich nicht, aus zweierlei Gründen: Erstens ist das Haus gar kein Haus im üblichen Sinne, sondern ein riesiger Palast in der quirligen Hauptstadt des Königreichs Weit Weit Weg, das Shrek nach dem Ableben von Fionas Vater nun regieren soll. Die heraufziehende Machtübergabe und der endgültige Abschied vom Leben in seiner Bretterbude im Sumpf peinigen den eigenbrödlerischen Oger so sehr, dass er sich auf die lange Reise macht, ein Mitglied der königlichen Familie zu finden, das an seiner Stelle den Thron übernimmt. Zweitens ist Familie Oger eigentlich gar keine richtige Familie, so ganz ohne Nachwuchs. Das soll sich jedoch bald ändern, Fiona ist schwanger. Addiert man nun Ereignis eins mit Ereignis zwei, so erhält man folgerichtig Shreks Midlife-Crisis. Auf einen Schlag Vater und König zu werden, das ist einfach zu viel für das grüne Ungetüm. Das fröhliche Ehekoma wird trotzdem nicht weiter gefährdet, wissen wir doch schon aus "Shrek 2", dass zumindest das Kinderkriegen wie im ulkigen Fall von Esel und Drachen gewöhnlich mit einem Happyend einhergeht. Alles andere wäre für einen Kinderfilm wohl auch vermessen, wenngleich ein Streit um Sorgerecht und Unterhaltszahlungen der Realität vieler Familien wohl sehr nahe käme.
Es sieht ganz so aus, als hätte Märchenmonster Shrek erheblich an seinem ursprünglichen Charme, an seinen Ecken und Kanten, eingebüßt. Machen ihn die Fesseln der Ehe und der treuherzige Umgang mit Kindern einfach zu liebenswürdig? Während der Held der Geschichte in seiner gesteigerten Gutmütigkeit seine Sympathie verwirkt, findet Bösewicht Prince Charming in seiner gesteigerten Bösartigkeit immer mehr Anklang. Der geprellte Tunichtgut mit dem heuchlerischen Namen, der schon in "Shrek 2" nach der Königskrone trachtete, feilt weiter an seinem Plan, Weit Weit Weg zu übernehmen. Doch der Weg zum Thron, der bekanntlich nur über Shreks Leiche führt, ist weit. Prince Charming hat es in die zwielichtigeren Gefilde des Königreichs verschlagen – fernab vom Luxus der Oberschicht. Umgeben von anderen Fabelunholden wie Rumpelstilzchen und Captain Hook kommt ihm in einer düsteren Kaschemme die Idee, alle Kreaturen, die in der Welt der Märchen kein märchenhaftes Happyend erleben durften, zu einer Armee zu vereinigen. Genau diese Rebellion der Ausgeschlossenen und Verschmähten gibt "Shrek der Dritte" ein bisschen von der Frechheit zurück, die seitens der Helden bereits verloren geht. Schade nur, dass der Aufstand des Bösen der formelhaften Immunität des Guten unterlegen ist.
FAZIT
Mit "Shrek der Dritte" wendet sich das erfolgreiche "Shrek"-Franchise einem Konzept zu, das seine Macher immer kippen wollten. "Shrek" sollte die Inkarnation eines modernen Märchens sein, das alle Klischees aus Gebrüder-Grimm-Lebzeiten auf den Kopf stellt. Der dritte Teil sieht jedoch den geschniegelten Produkten des Erzfeindes, Utopieverwurster Disney, erstaunlich (oder nicht?) ähnlich. Dem Verdikt des Lebkuchenmanns ("Schlimmer als Kasperle-Theater!") kann man sich da nur anschließen. Vielleicht wird es Zeit für einen Film, der sich ganz dem finsteren Spektrum der Märchenwelt, all den bösen Stiefmüttern, Zyklopen und Draculas widmet, denn wenn sie nicht gestorben sind, dann schmollen sie noch heute.
Von Therese Hopfmann
In Shreks Leben ist Ruhe eingekehrt. Zusammen mit Ehefrau Prinzessin Fiona führt der Oger an der Seite von Königin Lilian und König Harold in Weit Weit Weg ein komfortables Leben. Einzig die piefigen Hofallüren und Pflichtveranstaltungen, die Shrek wahrnehmen muss, gehen ihm gehörig auf die Nerven. Immer öfter wird dem ursprünglichen Sumpfbewohner strenge Etikette abverlangt, weil der Regent des Märchenlandes schwer erkrankt ist und Shrek auf die Thronfolge eingestimmt werden soll. Doch für Drückeberger Shrek kommt die Übernahme des Zepters gar nicht in Frage. Die königliche Plackerei soll Artie, der nach Shrek Anrecht auf die Krone hat, antreten. Der junge Thronfolger lebt in einem entlegenen Internat, er ist noch Schüler. Shrek macht sich gemeinsam mit Esel und dem gestiefelten Kater auf, den pubertierenden Teenager abzuholen und mit seiner zukünftigen Aufgabe zu betrauen. Währenddessen geht es in Weit Weit Weg drunter und drüber.
KRITIK
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum klassische Lovestorys aus der Traumfabrik spätestens mit der Hochzeit des Liebespaares enden? In dem Moment, wo der überirdisch romantische Hokuspokus seinen virtuosen Höhepunkt erreicht, setzt auch schon der Abspann ein. Ende gut, alles gut. Filme über glückliche Paare, die sich bereits gefunden und den ersten Kuss längst hinter sich gebracht haben, gibt es selten. Das latente Urteil aus Hollywood scheint zu lauten: Partnerschaft ist langweilig - und eine erfüllte Ehe erst recht. Liebe im Alltag ist keinen Film wert. Doch ist das gemeinsame Leben nach der Traumhochzeit tatsächlich zu trivial für die Leinwand? "Shrek der Dritte", der die Protagonisten Fiona und Shrek nach der Eheschließung und der Überwindung der ersten Beziehungskrise in den ersten zwei Teilen nun im glückseligen Hafen der Ehe wiegt, ringt jedenfalls verzweifelt um Spannung. Will uns die Filmindustrie etwa beweisen, dass Ehe in der Tat der ultimative Spannungskiller ist?
Ganz still bleibt es im Hause der Familie Oger natürlich nicht, aus zweierlei Gründen: Erstens ist das Haus gar kein Haus im üblichen Sinne, sondern ein riesiger Palast in der quirligen Hauptstadt des Königreichs Weit Weit Weg, das Shrek nach dem Ableben von Fionas Vater nun regieren soll. Die heraufziehende Machtübergabe und der endgültige Abschied vom Leben in seiner Bretterbude im Sumpf peinigen den eigenbrödlerischen Oger so sehr, dass er sich auf die lange Reise macht, ein Mitglied der königlichen Familie zu finden, das an seiner Stelle den Thron übernimmt. Zweitens ist Familie Oger eigentlich gar keine richtige Familie, so ganz ohne Nachwuchs. Das soll sich jedoch bald ändern, Fiona ist schwanger. Addiert man nun Ereignis eins mit Ereignis zwei, so erhält man folgerichtig Shreks Midlife-Crisis. Auf einen Schlag Vater und König zu werden, das ist einfach zu viel für das grüne Ungetüm. Das fröhliche Ehekoma wird trotzdem nicht weiter gefährdet, wissen wir doch schon aus "Shrek 2", dass zumindest das Kinderkriegen wie im ulkigen Fall von Esel und Drachen gewöhnlich mit einem Happyend einhergeht. Alles andere wäre für einen Kinderfilm wohl auch vermessen, wenngleich ein Streit um Sorgerecht und Unterhaltszahlungen der Realität vieler Familien wohl sehr nahe käme.
Es sieht ganz so aus, als hätte Märchenmonster Shrek erheblich an seinem ursprünglichen Charme, an seinen Ecken und Kanten, eingebüßt. Machen ihn die Fesseln der Ehe und der treuherzige Umgang mit Kindern einfach zu liebenswürdig? Während der Held der Geschichte in seiner gesteigerten Gutmütigkeit seine Sympathie verwirkt, findet Bösewicht Prince Charming in seiner gesteigerten Bösartigkeit immer mehr Anklang. Der geprellte Tunichtgut mit dem heuchlerischen Namen, der schon in "Shrek 2" nach der Königskrone trachtete, feilt weiter an seinem Plan, Weit Weit Weg zu übernehmen. Doch der Weg zum Thron, der bekanntlich nur über Shreks Leiche führt, ist weit. Prince Charming hat es in die zwielichtigeren Gefilde des Königreichs verschlagen – fernab vom Luxus der Oberschicht. Umgeben von anderen Fabelunholden wie Rumpelstilzchen und Captain Hook kommt ihm in einer düsteren Kaschemme die Idee, alle Kreaturen, die in der Welt der Märchen kein märchenhaftes Happyend erleben durften, zu einer Armee zu vereinigen. Genau diese Rebellion der Ausgeschlossenen und Verschmähten gibt "Shrek der Dritte" ein bisschen von der Frechheit zurück, die seitens der Helden bereits verloren geht. Schade nur, dass der Aufstand des Bösen der formelhaften Immunität des Guten unterlegen ist.
FAZIT
Mit "Shrek der Dritte" wendet sich das erfolgreiche "Shrek"-Franchise einem Konzept zu, das seine Macher immer kippen wollten. "Shrek" sollte die Inkarnation eines modernen Märchens sein, das alle Klischees aus Gebrüder-Grimm-Lebzeiten auf den Kopf stellt. Der dritte Teil sieht jedoch den geschniegelten Produkten des Erzfeindes, Utopieverwurster Disney, erstaunlich (oder nicht?) ähnlich. Dem Verdikt des Lebkuchenmanns ("Schlimmer als Kasperle-Theater!") kann man sich da nur anschließen. Vielleicht wird es Zeit für einen Film, der sich ganz dem finsteren Spektrum der Märchenwelt, all den bösen Stiefmüttern, Zyklopen und Draculas widmet, denn wenn sie nicht gestorben sind, dann schmollen sie noch heute.
Von Therese Hopfmann
« Zurück zur Übersicht

