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7 Zwerge

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Kinostart
28.10.2004

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2004

Land
Deutschland

Verleih
UIP

Regie
Sven Unterwaldt

Autor
Otto Walkes / bernd Eilert / Sven Unterwaldt

Laufzeit
94 Minuten

Hauptdarsteller
Otto Waalkes
Heinz Hoenig
Mirco Nontschew
Nina Hagen
Cosma Shiva Hagen




Weniger wäre mehr

INHALT

sieben ZwergeEs beginnt, wie fast alle Märchen beginnen. Aber was nach dem "Es war einmal..." kommt, hat nur noch latent etwas mit "Schneewittchen und die sieben Zwerge" der Gebrüder Grimm gemein. So hat sich die siebenköpfige Männerwohngemeinschaft im dunklen Düsterwaldt völlig gegen die für sie vermeintlich größte Bedrohung abgeschottet. Die Rede ist hier widererwarten vom weiblichen Geschlecht. Ein Leben ohne Frauen erspart viel Ärger und Stress, zumindest, wenn man die sieben Zwerge nach ihrer Meinung fragt. Doch bekanntlich ist der Geist willig, aber das Fleisch schwach.

Diese Erfahrung müssen auch die gar nicht so kleinen Waldbewohner machen, als eine Schönheit namens Schneewittchen (Cosma Shiva Hagen) vor der Zwergenhütte auftaucht. Schneewittchen ist auf der Flucht vor dem Jäger (Christian Tramitz), der es im Auftrag der bösen Königin (Nina Hagen) ausfindig machen soll. Da die sieben Zipfelmützenträger ganz Gentlemen sind, bieten sie der Flüchtigen Hilfe an. Nur Brummboss (Heinz Hoenig), sozusagen der Papazwerg, hat da so seine Bedenken. Immer wieder muss er an jenen Tag denken, an dem er beschlossen hat, sich von der Frauenwelt fernzuhalten. Zum Nachdenken bleibt jedoch nicht viel Zeit, denn Schneewittchen ist bereits entführt worden, und so beginnt der wahrscheinlich größte Befreiungsversuch in der Märchengeschichte.



KRITIK

SchneewittchenBereits vor "Otto - Der Katastrophenfilm" hat Ulknudel Otto Waalkes Pläne geschmiedet, einen eigenen komödiantischen Märchenfilm zu drehen. Doch verschiedene Produzenten hatten kein Interesse an dieser Idee, da zu viele Comedians für die Besetzung notwendig gewesen wären. So sind tatsächlich sieben Jahre ins Land gegangen, bis sich Otto entschloss, den Film selbst zu produzieren. Zusammen mit seinem Koautor Bernd Eilert, dieser war bereits bei anderen Otto-Filmen dabei, und Sven Unterwaldt entstand die Parodie auf "Schneewittchen". Wie es aber der Titel "7 Zwerge" schon verrät, differenziert sich Ottos Geschichte von der Darstellung der Gebrüder Grimm grundlegend. Anstatt Schneewittchen und die Königin ins Zentrum der Handlung zu stellen, wird der Fokus ganz klar auf die sieben Männer mit all ihren Schicksaalen und Problemen gelenkt. Die Botschaft aus deren Flucht vor der Frauenwelt muss wohl lauten: "Es geht auch ohne Weiber, so lange sie nicht in der Nähe sind".

Eine Parodie auf Märchen, die Shrek-Filme haben es vorgemacht, kann das Zwerchfell zum Bersten bringen - oder sollte es zumindest. Nach den vielversprechenden Kinotrailern konnte man getrost davon ausgehen, dass "7 Zwerge" diesen Anspruch auch erfüllt. Doch das Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein und so wurde aus dem großangekündigten Megakracher ein Knallfrosch mit lediglich gutem Unterhaltungswert - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Neben einem überzeugenden Mirco Nontschew, der in altbekannter Manier die Lacher fabriziert, wurden vor allem was die Zwerge angeht, größtenteils Klasse-B Comedians aufgefahren. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man bei der Besetzung nach der Devise "alles rein was geht" vorgegangen ist. Hier gilt, zu viele Zwerge verderben den Brei. Zugute halten muss man dem Arrangement allerdings, dass die Komiker auch in ihren Rollen ihrem eigentlichen Stil treu geblieben sind und dadurch ein hoher Wiedererkennungswert vorhanden ist.

Ottos altbewährter Blödelstil ist wie eh und je auf anhieb auch vor der Kamera zu erkennen, aber ohne Starallüren fügt er sich in die anderen Charaktere ein. So entsteht das Bild von vielen gleichberechtigten Hauptrollen. Sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen durfte ebenfalls Heinz Hoenig. Allerdings bremst er als Brummboss mit einer gewissen Ernsthaftigkeit seine Zwergenkollegen wieder ein, wenn es mit ihnen als zu heftig durchgeht. Hoenig mimt als hochkarätiger Schauspieler den Ruhepol zu seinen Kollegen aus dem Comedy-Bereich. Das Wort "Ruhepol" dürfte im Wörterbuch wohl als Antonym zu Nina Hagen stehen, denn sie ist in "7 Zwerge" alles andere als still. Mit ihrer theatralischen Gabe gibt die Punkröhre überzeugend die schrille Königin ab und lässt so mit ihrer kratzigen Stimme das Blut in den Adern gefrieren. Singen darf das Multitalent in diesem Streifen allerdings nicht, denn diese Aufgabe ist ihrer Tochter Cosma Shiva vorbehalten. Ob die brünette Schönheit nun eher mit ihrem schauspielerischen Talent oder ihrem Aussehen beeindruckt ist Geschmackssache, doch in Sachen Gesang ist zumindest einer der Titel aus dem Soundtrack deutlich zu hoch für ihre Stimme.

Wenn man sein Werk eine Parodie auf Märchenfilme nennt, dann müssen auch Parodien zu sehen sein. Zwar werden einige Märchen wie Rotkäppchen oder Rapunzel kurz angerissen, aber da wäre eindeutig mehr machbar gewesen. Sogar an das Thema "Der Herr der Ringe" trauten sich die Filmemacher heran, das aber leider nur sehr halbherzig. Warum ein Helge Schneider alias Gandalf überhaupt zum Drehtermin kommen musste, ist nach der gezeigten einfallslosen und plumpen Szene fraglich.

Fraglich ist im übrigen auch, warum der Film der ganzen Familie, ja vor allem Kindern empfohlen wird. Nur wer seinen Jüngsten beibringen möchte, dass Frauen Schlampen sind und es mit Stolz erfüllt, diese zu schlagen, kann getrost seinem Nachwuchs die Kinokarte in die Hand drücken. Kinder lachen gern über Slapstick, aber die vielen, oftmals derben Sprüche geben in diesem Streifen den Ton an. Die meisten Märchen mögen moralischen Prüfungen ohnehin nicht standhalten, aber gerade dieser Film ist bei weitem nicht als Kinderfilm einzustufen.



FAZIT

böse KöniginDer ausschließlich in zwei riesigen Studiohallen gedrehte Film "7 Zwerge" vermittelt weniger durch seine Handlung, als vielmehr durch die märchenhaft wirkenden Kulissen eine Atmosphäre, die man von osteuropäischen Märchenfilmen her kennt. Die gewollte Künstlichkeit mit ihrer Wärme beißt sich allerdings mit der Geschichte an sich, die sich zu sehr von einer eigentlichen Parodie entfernt. Ein Klamaukfilm mit einem wahren Heer von mehr oder weniger bekannten Schauspielern und Komikern bringt das Publikum durchaus zum Lachen, aber der wahre Brüller wird vermisst. Nach einigen guten und sehr guten deutschen Kinofilmen in diesem Jahr symbolisiert "7 Zwerge" das Schlusslicht und erhält somit das Prädikat "befriedigend".

Von Lars Lehmann



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