EU will Weg für Kopierschutz ebnen und Privatkopien unterbinden
23.05.2000 | Von Gregor Lawatscheck
|
Wohl unter Druck von Musik- und Filmindustrie soll am 25. Mai eine EU-Richtlinie verabschiedet werden, die es dem Herausgeber von Filmen und Musikstücken erlaubt, das Kopieren auch rein für den privaten Gebrauch technisch zu unterbinden. In der Praxis geschieht dies schon teilweise: VHS-Kaufkassetten sowie Audio-CDs mit Kopierschutz existieren mit mehr oder minder großem Erfolg - diese basierten allerdings auf keiner rechtlichen Grundlage. Die Software-Branche praktiziert Kopierschutzmechanismen schon seit ihrem Bestehen. Da es immer einen Weg gab, die technischen Sperren einer erfolgreichen Vervielfältigung zu umgehen (z.B. MOD-Chip bei Playstation) hat bislang allerdings niemand auf sein Recht der privaten Sicherungskopie gepocht. Mit dem Vorgehen soll sicherlich der Weg für kopiergeschützte Musik im Internet geebnet werden. Die Rechte-Inhaber wollen die Möglichkeit besitzen, für jede weitere Kopie - auch wenn sie im selben Haushalt zum Einsatz kommt - Gebühren verlangen zu können. Auch herkömmliche Audio-CDs dürfen somit beliebig geschützt werden - allerdings wird es nicht möglich sein, einen effektiven Kopierschutz zu entwickeln, wenn die CDs auf allen bekannten CD-Playern abspielbar bleiben soll. Wohl aber nützt der Industrie "die unbeschränkte Möglichkeit [...] digitale Daten mit einer eingebauten Kopiersperre zu belegen" (Zitat Pressemeldung) im Zusammenhang mit SDMI - der Secure Digital Music Initiative. Hier soll allen künftigen Kauf-CDs durchgehend ein Wasserzeichen eingepflanzt sein, daß bei doppelter Vervielfältigung diese bei Verwendung in neuen SDMI-komptabiblen Geräten eindeutig als Raubkopie ausweist und somit das Abspielen verweigert. Laut Pressemitteilung sind die Landesvertreter von Frankreich, Belgien, Spanien sowie von Italien die treibenden Kräfte um die Bestimmung so schnell wie möglich umzusetzen. Der osterreichische Verbraucherverband VKI unterstützt eine Protestbewegung und fordert den heimischen Justizminister auf, sich im Ministerrat der EU gegen die Richtline auszusprechen. Die VKI bekräftigt dabei, daß ihr nicht darum gehe die Existenzgrundlage von Urhebern durch Raubkopien in Frage zu stellen, vielmehr stelle die Umsetzung der Richtlinie die Möglichkeit zur Vervielfältigung in das Gutdünken der Industrie und biete darüberhinaus keinen klaren Schutz gegen illegale Kopien die für Profis ohnehin keine Hürde darstellten. In Deutschland sind bisher weder Proteste noch Presseberichte zum Thema laut geworden. |
KOMMENTARE / DISKUSSION
Re: EU will Weg für Kopierschutz ebnen und Privatkopien unterbinden (sLorD, 16.12.01 17:32)
[ Kommentar schreiben ]
[ Kommentar schreiben ]
NEWSLETTER
» Jetzt für kostenlosen Newsletter anmelden
| « Voriger Artikel | News Gesamtübersicht | Nächster Artikel » |









