(MPeX.net/HelH,gpel - 17.11.2000) -
Schon seit Jahren wird gesagt, AAC sei der würdige Nachfolger von MP3... Das mag zwar stimmen, aber Encoder für den Heimanwender gibt es trotzdem nicht, nicht zuletzt wegen der ganzen SDMI-Problematik, bei der die Plattenfirmen versuchen zu verhindern, dass Heimanwender unlizenzierte Kopien von Musik herstellen können. Deshalb gab es schon sehr vielversprechende AAC Encoder Projekte, FAAC (http://www.audiocoding.com) und PsyTel AAC (http://www.psytel.com), wobei ersteres sogar uneingeschränkte Freeware war. Doch dem hat Dolby Labs ein Ende gesetzt: Das Projekt musste eingestellt werden, da FAAC unlizenzierte AAC-Technologie benutzte.
Dabei sind die Dolby Laboratories nicht die alleinigen Patentinhaber, sondern gehören dem Konsortium Fraunhofer Institut, AT&T Laboratories und Sony Corporation an, Dolby Labs kümmert sich um die lizenzrechtlichen Vereinbarungen und um die rechtlichen Schritte bei Verstößen.
Ein wenig anders ist es bei Psytel AAC verlaufen: Anscheinend hat Dolby Labs dabei den Provider, der die Homepage hostet, kontaktiert, woraufhin dieser dann die Seite ohne irgend eine Vorwarnung gelöscht hat. Anfragen von Ivan Dimkovic (dem Entwickler von Psytel AAC) blieben unbeantwortet. In ein paar Tagen aber soll die Webseite wieder verfügbar sein, unter einem neuen Provider.
Ungewiss bleibt, ob rechtlich gegen diesen AAC-Ableger vorgegangen wird, die Programmdateien werden jetzt auf einem Server in Jugoslawien liegen, wo Dolby Labs und das Konsortium keine Patente besitzen, also auch nicht rechtlich gegen das Projekt vorgehen können. Aber schon die Kontaktierung des Providers und nicht des Programmierers selbst legt nahe, dass sich das Projekt in einer Art Grauzone befindet, weshalb die Dolby Labs anscheinend nur schlecht dagegen vorgehen können.
Sicherlich dürfte für Dolby nicht nur entscheidend gewesen sein, dass diese Encoder unlizenziert sind, sondern auch, dass sie keinerlei Kopierschutz enthalten, die Dateien also wie MP3 problemlos auf andere Computer übertragbar sind, was der Musikindustrie, die ja mit SDMI versuchen will, solche Tauschgeschäfte zu unterbinden, sicherlich ein Dorn im Auge ist.