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Napster-Filter: Die etwas andere Rechtschreibreform (Update)

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06.03.2001 | Von Gregor Lawatscheck | Seite 2 von 2

Was hält einen Benutzer davon ab, seine Dateien bewusst mit Rechtschreibfehlern zu spicken, um der Filterung zu entgehen? Ein einzelner erratbarer Buchstabe würde zunächst einmal genügen, um das System zu verwirren. Glück für die Leute, die immer schon die besondere Gabe hatten, ihre Lieblingsbands falsch zu schreiben - sie brauchen gar nichts zu ändern.

Napster hat zwar angekündigt im laufe der Zeit auch ein effektives System gegen naheliegende Schreibfehler einzuführen, doch bis dahin kann wiederum Zeit ins Land der MP3-Tauscher ziehen. Wie sollte es auch anders sein, bis dahin gibt es dann bestimmt den "Legasthigator" für Napster, der vollautomatisiert getauschte Dateinamen und Suchanfragen nach einem beliebigen Muster vertauscht - im Extremfall nach Zufallsschlüssel, der stündlich von einem bestimmten Server abgerufen werden kann.

Neben den offiziellen Napster-Servern gibt es aber auch noch rund 50 sogenannte OpenNap-Server. Diese sind unabhängig von Napster Inc. und werden teils kommerziell, teils privat betrieben - die Filterung betrifft sie also nicht. Das größte OpenNap-Netzwerk ist momentan Musiccity mit 30 Servern, die im Verbund geschaltet sind. Rund 20.000 Benutzer mit circa 22 Terabytes sind momentan bei Musiccity gleichzeitig zum Durchsuchen verfügbar. Im Vergleich: Beim original Napster werden im Schnitt nur ca. 10.000 Benutzer und 8 Terabyte zusammengeschaltet.

Musiccity und die anderen Opennap-Server lassen sich entweder mit dem Programm Napigator und dem herkömmlichen Napsterclient ansteuern oder man benutzt einen Napsterclone wie Audiognome oder FileNavigator. Eine Übersicht aller Programme findet Ihr in unserer Softwaresektion: Downloadhelfer.

Dank Musiccity ist Napstern also momentan besser als je zuvor - wobei natürlich unklar ist, wie lange Musiccity selbst durchhält und vor allem mit welcher Motivation sich der Service so massiv ins heiße Geschehen um Napster begibt. Selbst wenn Musiccity abgeschossen und das Original-Napster gefiltert wird, ließen sich oben genannte Methoden anwenden, um trotzdem noch per Napster zu tauschen. Nicht zu vergessen, natürlich sämtliche andere Fileshare-Alternativen auf die wir in diesem Artikel gar nicht eingehen.

Was wir hiermit ausdrücken wollen: Die Musikindustrie sollte sich lieber früher statt später mit Napster einigen, denn sie wird einsehen müssen, dass sich das Internet nicht effektiv filtern lässt. Illegale Aktivitäten zu verhindern zu versuchen ohne ordentliche legale Modelle auf die Beine zu stellen war in den vergangenen vier Jahren in Sachen MP3 schon nicht die Lösung; das wird sich dieses Jahr wohl kaum ändern.

Update:
Montag, 6. März, Mittag:
So wie es aussieht sind erste Filtermaßnahmen nun bei Napster aktiv. Allerdings hat Napster davon abgesehen konsequent ganze Künsternamen zu sperren. Stattdessen sind anscheinen nur ca 6.000 Künstlernamen mit Titel gesperrt worden, also z.B. "Metallica - One" wobei "One" einzeln und "Metallica" einzeln weiterhin funktionieren.

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